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Yogapraxis aktuell

20. Juli 2020

Liebe Yoga-Freunde,

die Sommerferien nahen und mit ihnen hoffentlich für die meisten von Euch ein bisschen Muße. Von solchen besonderen Zeiten handelt heute das Thema am Ende dieses Newsletters.

Die laufenden Sommerkurse enden in der ersten Ferienwoche. Danach ist in der Yogapraxis erst einmal Pause. Ferienübungsstunden gibt es ab Donnerstag, den 27. August. Sie dauern jeweils 75 Minuten und kosten 15 Euro. Eine vollständige Liste dieser Stunden findet Ihr im Kalender. Ganz wichtig: Bitte meldet Euch auch zu den Ferienübungsstunden per Mail oder Telefon an. Im Raum können weiterhin nicht mehr als sieben Personen teilnehmen; und wenn ich weiß, dass Ihr online sein wollt, dann ist auch die nötige Technik dabei.

Vor wenigen Tagen sind noch einmal Lockerungen in den bayerischen Regeln für Sportstunden erschienen. Insbesondere dürfen wir wieder länger als 60 Minuten zusammen üben. Deshalb stelle ich ab August alle Kurse einheitlich auf 75 Minuten um. Es bleibt aber dabei, dass Ihr Eure eigenen Matten mitbringen müsst, es bleibt natürlich beim häufigen Lüften und bei der Begrenzung der Personenzahl im Raum.

Die neuen Kurse von Mitte September bis kurz vor Weihnachten findet Ihr bereits im Internet. Anmeldeschluss ist Samstag, der 12. September. Jeder Kurs kann stattfinden, wenn jeweils mindestens 5 Personen verbindlich angemeldet sind, unabhängig davon, ob sie im Raum oder online teilnehmen möchten. Die Kurse werden in den nächsten Tagen bei den Krankenkassen angemeldet und sind dann zuschussfähig. Wartet mit der Anmeldung nicht zu lange, denn es ist damit zu rechnen, dass die Plätze im Raum nicht für alle ausreichen, die gerne kommen möchten.

Veranstaltungshinweise

Thema

Rettet die Muße!

„Heute gehe ich mich besuchen... hoffentlich bin ich daheim.“ (so oder so ähnlich von Karl Valentin)

Irgendwann vor ein paar Jahren fiel mir auf, dass Menschen, die in den letzten zwanzig Jahren Deutsch gelernt haben, das Wort Muße nicht kennen, auch wenn sie über einen sehr breiten Wortschatz verfügen. Ich fragte die Mädchen in meiner Yogagruppe danach. „Mousse-au-chocolat kenne ich“, antwortete mir eine Zwölfjährige. Ich fing an zu erklären: Muße ist freie Zeit, in der du nichts geplant hast. Du kannst einfach irgendwo sitzen oder in deinem Zimmer herumwursteln oder spazieren gehen, sehen und hören, was es zu sehen und zu hören gibt, deine Gedanken schweifen lassen und warten, was dabei so auftaucht. Da hellten sich die Gesichter auf: „Ach so, du meinst Langeweile.“

Nach dem Corona-Lockdown berichtete mir eine Yogaschülerin, wie erholsam die Freizeit plötzlich war, weil es keine Einladungen und Unternehmungen mit Freunden und Bekannten gab und die Kinder nirgendwo hingefahren werden mussten. Stirbt das Wort Muße aus, weil wir die Muße aus unserem Alltag verbannt haben? Weil wir die Freizeit vollstopfen mit Terminen, Unternehmungen, Events, Reisen (und natürlich all den Vorbereitungen und Planungen dazu)? In einem Seminar über Stressmanagement schlug ich vor, immer wieder einmal Wochenendtage im Terminkalender zu blocken, einfach nichts vorzuhaben. In einigen Gesichtern meinte ich daraufhin so etwas wie Entsetzen zu erkennen.

Woher kommt das negative Gefühl, das schon Kinder mit der Langeweile verbinden und das viele auch noch im Erwachsenenalter vor Löchern im Terminkalender erschrecken lässt anstatt sich darüber zu freuen? Der Duden liefert ein Indiz für die Antwort: Muße wird dort definiert als „freie Zeit und [innere] Ruhe, um etwas zu tun, was den eigenen Interessen entspricht“. Fehlt uns die innere Ruhe für die Muße? Innere Unruhe ist wie ein Ventilator, der sich ständig im Kreis dreht. Wenn er abgeschaltet wird, kreiselt er noch eine Weile weiter und kommt erst ganz allmählich zum Stillstand. Dieses innere Weiterkreiseln ist es, das wir für eine Weile anschauen und aushalten müssen, wenn es nichts zu tun gibt. Oft taucht dann ein starker Wunsch nach Ablenkung auf. Und genau das sind die drei Zutaten der Langeweile: Es gibt nichts zu tun, da ist Unruhe und ein inneres Greifen nach Ablenkung, um die Unruhe nicht zu spüren. Die innere Unruhe wahrnehmen zu können, die Momente des kleinen Unbehagens über das Weiterkreiseln einfach vorbeigehen zu lassen, ohne nach einer Ablenkung zu greifen, bis das Kreiseln von selbst aufhört … das ist der Schlüssel zur Muße. Muße entsteht erst, wenn wir keine Angst vor der Langeweile haben.

Im Yogasutra des Patanjali kommt der Begriff Tapas vor. Tapas bedeutet, dass wir willens und in der Lage sind, das kleine Unbehagen auf uns zu nehmen, das entsteht, wenn wir einer alten Gewohnheit nicht nachgehen und stattdessen gezielt etwas Neues, Heilsameres tun. Ohne Tapas, heißt es in einem alten Kommentar zum Yogasutra, wird der Yogi keinen Erfolg haben. Das ist genau die Fähigkeit, die man braucht, um die Muße wiederzuentdecken, wenn sie verloren gegangen ist.

Solange der Geist noch unruhig nachkreiselt, hilft manchmal ziellose Beschäftigung mit diesem und jenem, das kleine Unbehagen zu überwinden. „Kruscheln“, „herumsandeln“, „sinnlosern“ sind einige der Bezeichnungen, die Menschen in meiner Umgebung für solche Momente verwenden. Und spätestens wenn mit dem Ausklingen der inneren Unruhe auch das Herumkruscheln ein Ende findet, stellt sich der Genuss ein an der unverplanten Zeit. Das Wegfallen von Absichten, Zielorientierung und Nützlichkeitserwägungen fühlt sich köstlich an wie das Lösen von lange verspannten Gliedern. Dann können die Gedanken schweifen, ohne sich zwanghaft im Kreis zu drehen. Die Seele baumelt und die Sinne öffnen sich für das, was jetzt geschieht. Dann sind wir ganz von selbst ganz nahe an der Meditation. Beschaulichkeit bietet der Duden als Synonym für Muße an, auch so ein wunderbares Wort. Wir schauen einfach und beschauen das was ist, ohne es verändern zu wollen.

Und das ist mein Wunsch für Euch in diesem Sommer: Habt viele wunderbare Mußestunden!